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Die Emporenbilder an der Ostempore in der Peter-Pauls-Kirche Bild 4 "Der Kampf Jakobs mit dem Engel"

Nachdem wir dieses Jahr die vollständige Bespielbarkeit unserer Donati-Orgel wieder herstellen, wollen wir in den folgenden Jahren die Tafel-
bilder an der Süd-, Nord- und Ostempore restaurieren.

An der Ostempore rechts vom Altar befindet sich neben dem Tafelbild "der Traum Jakobs von der Himmelsleiter" das Tafelbild 4 "der Kampf Jakobs mit dem Engel." Dieses Tafelbild ist 53 cm hoch und 49,5 cm breit.


 
Tafelbild "der Kampf Jakobs mit dem Engel" in der Peter-Pauls-Kirche (Foto Stenzel & Taubert Dresden
Erinnern wir uns:

Jakob lebte nach dem biblischen Bericht etwa im 18. Jahrhundert v. Chr. Er wurde als zweiter Sohn seiner Eltern Isaak und Rebekka kurz nach seinem Zwillingsbruder Esau geboren.

Als Esau eines Tages hungrig vom Feld kommt, verkauft er sein Erstge-
burtsrecht an Jakob für ein Linsengericht. Später erschleicht sich Jakob auf Initiative und mit Hilfe seiner Mutter auch den Erstgeburtssegen von seinem erblindeten Vater Isaak.
Aus Angst vor Esaus Zorn schickte Rebekka ihren Sohn nach Haran zu ihren Verwandten. Auf dem Weg dahin erschien im Traum die Himmels-
leiter. In Haran diente er Laban, dem Bruder seiner Mutter 20 Jahre, vier-
zehn für dessen Töchter und sechs als Hirte. Dort heiratet er die beiden Töchter seines Onkels Laban und wird von diesem betrogen und nimmt sich dann von ihm, was ihm zusteht.

Durch Jakobs Fleiß wurde Laban ein reicher Mann. Auf Grund einer klu-
gen Abmachung mit seinem Schwiegervater wurde Jakob selbst ebenfalls sehr reich.
Nachdem Jakob seinem Onkel 20 Jahre gedient hatte, machte er sich mit seiner Familie und seinem ganzen Hab und Gut heimlich auf den Rück-
weg nach Kanaan. Jakob fürchtete sich davor in der Heimat seinem Bru-
der Esau zu begegnen. Er weiß ganz genau was er mit seinen Betrü-
gereien angerichtet hat. Hat er doch erfahren, dass Esau ihm mit 400 Mann entgegenzieht - um Vergeltung zu üben oder zur Begrüßung? Jakob ist sich unsicher.

In der Nacht, bevor sich die beiden Brüder begegneten, wurde Jakob am Fluss Jabbok (Fluss in Jordanien) von einem Mann angegriffen, der mit ihm die ganze Nacht rang.


 
Jakobs Kampf mit dem Engel (Eugene Ferdinand Victor Delacroix 1861, Pfarrkirche Saint-Sulpice, Paris
Jakobs Kampf am Jabbok. Sein neuer Name
1. Buch Mose 32, 24 - 32
und blieb allein. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach.

Und da er sah, dass er ihn nicht übermochte, rührte er das Gelenk seiner Hüfte an; und das Gelenk der Hüfte Jakobs ward über dem Ringen mit ihm verrenkt.

Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber er antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.
Er sprach: Wie heißt du? Er antwortete Jakob.

Er sprach: du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und bist obgelegen.

Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißt du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst.

Und Jakob hieß die Stätte Pniel (Gottesgesicht); denn ich habe Gott von Angesicht gesehen, und meine Seele ist genesen.


 
die Siedlung Pniel (Penuel) liegt in Jordanien, östlich des Jordan am Südufer des Jabbok.
Und als er an Pniel vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.

Daher essen die Kinder Israel keine Spannader auf dem Gelenk der Hüfte bis auf den heutigen Tag; darum, dass die Spannader an dem Gelenk der Hüfte Jakobs angerührt ward.

*
Von den Geschichten um Jakob ist der Kampf mit dem Engel eine der am häufigsten dargestellten.

Plötzlich kommt ein Mann, der mit Jakob zu ringen beginnt. Beide ringen bis zum Morgen. Da merkt der Mann, dass er Jakob durch den Ring-
kampf nicht bezwingen kann und schlägt ihm nicht ganz unfair so stark auf die Hüfte, dass Jakob sich das Hüftgelenk ausrenkt.

Doch Jakob will den Mann nicht loslassen, bevor der ihn nicht gesegnet hat. Der Mann fragt daraufhin Jakob nach seinem Namen und erklärt daraufhin: „Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel; denn mit Gott hast du gestritten und hast gewonnen.“ Jakob erkennt, dass er Gott Angesicht zu Angesicht gesehen hat und „doch bin ich mit dem Leben davongekommen.“ Israel ist Hebräisch und bedeutet Gottesstrei-
ter. Jakob wird zum Stammvater aller Stämme Israels ausgerufen.
Anfangs wurde der Gegner Jakobs in der christlichen Kunst auch noch als Mann gezeigt, so wie es ein wenig geheimnisvoll auch in der Bibel steht. Später wurde der Mann zunehmend zu einem Engel, der symbolisch für das Göttliche steht. Das Göttliche ringt also mit dem Menschen. Der Kampf bleibt letztendlich unentschieden und kann so sinnbildlich auch für den tagtäglichen Kampf eines jeden Gläubigen mit seinem Glauben verstanden werden. Auch Jakob ringt mit seinen Befürchtungen und Ängsten, seinem selbstverschuldeten schlechten Gewissen seinem Bruder Esau gegenüber, dem er das Erstgeburtenrecht abgetrickst hat. Vor Gott und dem Menschen hat er sich durchgerungen, der peinlichen und vielleicht schmerzhaften Begegnung mit seinem Bruder nicht mehr auszuweichen. Doch spurlos bleiben solche Kämpfe nicht – von nun an wird er sich immer wieder daran erinnern, weil der Unbekannte seine Hüfte verletzt hat. Jakob wird sein weiteres Leben hinken.

Bei seinem Kampf mit dem Engel bekam Jakob einen Schlag auf den Ischiasnerv, auch Hüftnerv genannt. Das jüdische Verbot, die Fleischteile zu verzehren, die mit diesem Nerv in Berührung kommen, ist von dieser Bibelstelle abgeleitet. Gläubige Juden verzichten daher auf das gesamt hintere Viertel des Tieres.

*

Obwohl Esau in seiner Jugend sein Erstgeburtsrecht an seinen Zwillings-
bruder Jakob für ein Linsengericht, welches Jakob gekocht hatte, ver-
kaufte, erkennt Jakob das Erstgeburtsrecht Esaus an und bittet um Gnade. Er schenkt Esau zur Versöhnung einen Teil seiner Vieherde. Esau nimmt das Geschenk an.

Quellen
Jakob (Patriarch) - Wikipedia
Nicht ganz fair: Jakobs Kampf mit dem Engel - Kirchengucker
Über Essen und Religion – Neue Kunstspaziergänge
Ich lasse dich nicht los von Harald Schwillus, Halle (Saale)
w.w.w.deutschlandradiokultur.de/ich-lasse-dich-nicht-los


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